
Beschreibung
Letzte Woche hatte ich einen Workshop zum Thema „Der treue Soldat“ – und wir sind relativ schnell bei einem sehr zentralen Thema gelandet: Gewalt in der Kindererziehung.
Meine Teilnehmenden waren alle älter als ich – manche wenige Jahre, manche mehrere Jahrzehnte. Und das machte einen großen Unterschied in der Unterhaltung.
🌿
Die erste Erkenntnis war:
Je weniger Kinder geschlagen wurden, desto klarer blieben die einzelnen Situationen im Gedächtnis. Mit jeder Erinnerung kam auch eine innere Botschaft mit – kristallklar.
Eine Teilnehmerin sagte: „Was hängen blieb – ich zeige keine Schwäche mehr.“
Ein anderer musste länger reinfühlen, weil die Situationen so zahlreich waren, dass sie verschwommen sind. Aber auch er spürte: Da war eine innere Konsequenz. Ein Satz, den das Kind sich selbst gesagt hat.
🍃
Aber da war noch etwas:
Im Gespräch wurde ganz deutlich, dass die Art der Strafe weniger entscheidend war als etwas anderes:
Ob das Kind ein Unrechtsbewusstsein hatte.
Wenn ein Kind dachte: „Das war unfair. Das war nicht gerechtfertigt“ – dann verarbeitete es die Strafe ganz anders als wenn es spürte: „Okay, das war hart, aber ich habs verstanden.“
Aber – und das ist wichtig – selbst bei gerechten Strafen gab es oft einen anderen Punkt: „Das war zwar berechtigt, aber zu hart.“
Die Frage war nicht nur: War das fair? Sondern auch: War das proportional? War das notwendig in dieser Härte?
🌿
Und dann kam der große Punkt:
Meine Teilnehmenden waren zum Großteil aus der Nachkriegsgeneration. Und was sie alle ganz klar gesagt haben: „Meine Eltern waren Kriegsgeneration. Die waren so kaputt. Das will ich ihnen gar nicht übelnehmen.“
Da war kein Vorwurf. Keine Verurteilung. Nur ein tiefes Mitgefühl – für das Trauma, das ihre Eltern durchlebt hatten, und das sich weitergegeben hatte.
Das ist heilsam. Wirklich heilsam.
🌱
Weil wir verstehen können, dass Gewalt oft nicht aus Bosheit kommt, sondern aus Unbewältigung. Aus Trauma. Aus einem System, das so war.
Und wenn wir das verstehen – ohne zu verurteilen – dann können wir anfangen, die Muster zu unterbrechen.
Nicht, weil wir unseren Eltern oder Großeltern etwas übelnehmen, sondern weil wir sehen: Das muss nicht so weitergehen.
Habt ihr diese generationalen Unterschiede auch in euren Familien beobachtet? Wie hat sich der Umgang mit Bestrafung über die Generationen verändert?
© 2026 All Rights Reserved.