Beschreibung
Wie kann man sich auf Tod und Sterben vorbereiten, obwohl der tatsächliche Verlust kaum planbar ist? Gudrun Murina unterscheidet im Gespräch zwischen der emotionalen Unvorhersehbarkeit des Todes und einer ganz praktischen Vorbereitung. Wünsche für Beerdigung, Musik, Rituale oder die Gestaltung des Abschieds können schon zu Lebzeiten besprochen werden. Für Angehörige kann das später eine Entlastung sein – und zugleich ein erster Schritt im Umgang mit der Trauer.
Gudrun Murina beschreibt Trauer konsequent als individuellen Prozess. Wut, Hilflosigkeit, Weinen, Lachen oder ein erneutes Aufflammen der Trauer können dazugehören. Gerade deshalb steht sie festen Phasenmodellen skeptisch gegenüber: Wer versucht, die eigene Trauer an einem Schema zu messen, kann leicht den Eindruck bekommen, etwas falsch zu machen oder in eine frühere Phase zurückzufallen. Ihre Haltung ist deutlich: Dem eigenen Inneren vertrauen und den Gefühlen erlauben, da zu sein.
Auch das Umfeld von Trauernden ist Thema des Gesprächs. Häufig entsteht Distanz nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Hilflosigkeit. Gudrun empfiehlt, diese Unsicherheit offen auszusprechen: Man muss nicht die richtigen Worte finden, um präsent zu sein. Eine Nachricht, ein Anruf oder ein erneutes konkretes Angebot können helfen – gerade weil einem trauernden Menschen oft die Kraft fehlt, selbst um Unterstützung zu bitten.
Beim oft verwendeten Begriff des Loslassens setzt Gudrun einen besonderen Akzent. Einen geliebten Menschen müsse man nicht loslassen. Stattdessen könne er einen neuen Platz im inneren oder äußeren Leben bekommen. Wie persönlich solche Formen der Verbindung sein können, zeigt eine Geschichte aus ihrer Begleitung: Eine Frau ging an Silvester mit einer Flasche Sekt auf den Friedhof, um mit ihrem verstorbenen Mann auf das neue Jahr anzustoßen.
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